An Wegkreuzungen verbunden bleiben, 29.11.2022

Wir leben in einer spannenden Zeit – in einer Zeit, in der es immer mehr anerkannt ist, uns unserer inneren Welt zuzuwenden. Das war nicht immer so. Ich kann mich erinnern, wie unsere Mütter begannen über Selbstverwirklichung zu sprechen – das was wir heute Persönlichkeitsentwicklung nennen, oder Spiritualität. Auch haben viele begonnen sich mit dem eigenen Energiesystem zu beschäftigen, was vor ein paar Jahrzehnten so noch gar nicht denkbar gewesen wäre. 

Wenn ich mir die Veränderungen ansehe, die in meiner Kindheit stattgefunden haben und die Veränderungen, die in den letzten Jahren stattgefunden haben in unserer Welt, passieren diese mit einer unglaublichen Geschwindigkeit. Und das hat ja auch einen Einfluss auf uns. Und manchmal denke ich, dass darin etwas Absurdes ist. Wir sehnen uns so sehr nach Veränderung in unserem Leben und bemerken gar nicht bewusst, wie rasant diese Veränderung im außen bereits von statten ging und wie sehr wir damit zugleich aufgerufen sind, uns innerlich mit zu verändern.

Und wenn wir dann auf eine Wegkreuzung in unserem Leben zusteuern, kann es sich vielleicht so anfühlen, als ob wir irgendwo einen Teil von uns verloren haben. Wir erleben uns wie in einer Art Vakuum und haben das Gefühl irgendwo feststecken, irgendwann zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Wenn wir solche „Anker“ oder irgendetwas Unvollendetes in der Vergangenheit haben, bedeutet das auch immer, dass wir Kraft und Energie verlieren. Und solche unvollendeten Geschichten ermöglichen es uns dann auch nicht, neue Geschichten in unserem Leben zu schreiben.

Die momentane Zeitqualität lädt uns ein, diesen verlorenen Teil von uns zu finden, ihn zurückzuholen, uns wieder damit zu verbinden und ins praktische Leben zu integrieren. Vielleicht spricht dieser Teil in Wahrheit von einer Sehnsucht. Was immer unser Wunsch, unser Bedürfnis war – wir haben dann vermutlich die Hoffnung dort hineingelegt, dass ein anderer uns helfen könnte, diesen Traum zu leben. Und dann sind wir nicht mehr verbunden mit dem, was wir eigentlich immer wollten und fühlen uns unvollständig und leer.

Möglicherweise kann es dich unterstützen, dir die unvollendeten Geschichten in deinem Leben anzusehen, um deine Wünsche wieder als deine wahrnehmen zu können. Denn deine Wünsche geben dir einen Einblick über all das, was du wert bist und wovon du absolut das Potential hast, es in deinem Leben zu erreichen. Und es ist niemals zu spät, all das zu dir zurückzurufen, was du einmal hinter dir gelassen hast.

Wie Johann Wolfgang von Goethe so weise schrieb: „Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden. Was wir können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar; wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen besitzen. So verwandelt ein leidenschaftliches Vorausgreifen das wahrhaft Mögliche in ein erträumtes Wirkliches.“

Was könntest du also über dich selbst entdecken, wenn du all deine Anker lichten und deine Wünsche wieder als deine eigenen wahrnehmen könntest? Und so ist die wichtigste Lektion, die wir von Unvollendetem gewinnen können auch jene, dass wir niemals unvollendet zurückbleiben, wenn wir mit uns selbst verbunden bleiben.

Bleib verbunden. Immer.